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Salomo Friedlaender/Mynona (1871-1946) und das Geisteslebender der Essener Juden in der Weimarer Zeit

Ein Vortrag von Prof. Hartmut Geerken

Die Synagogengemeinde Essen zählte in den 1920er Jahren fünftausend Mitglieder. Rabbiner Salomon Samuel war ihr gebildetes religiöses Oberhaupt mit vielfältigen Beziehungen in die Intellektuellenszene. Salomo Friedlaender stammte aus Posen, studierte in Berlin und Jena Medizin und Philosophie. Seine Schwester war mit dem Rabbiner verheiratet. Durch diese familiären Bande war Friedlaender oft Gast in der Alten Synagoge.

In Essen lernte Friedlaender durch die Vermittlung von Salomon Samuel den Juristen und Kant-Philosophen Ernst Marcus (1856-1928) kennen, der ein Mentor Friedlaenders wurde. Friedlaenders philosophischer Denkweg läßt sich in die Formel fassen: Von Schopenhauer und Nietzsche durch Ernst Marcus zu Kant – und über Kant hinaus.

Unter dem Pseudonym Mynona (Anonym rückwärts gelesen) debütierte Friedlaender in expressionistischen Zeitschriften (Der Sturm, Die Aktion, Jugend) und wurde von den Dadaisten sehr geschätzt. Er hatte Kontakt zu Else Lasker-Schüler, Gustav Landauer, Erich Mühsam, Samuel und Ida Lublinski, Martin Buber u.a.m. und gehörte zur literarischen Avantgarde der Weimarer Republik.

Nach 1933 flüchtete er sich nach Paris, geriet dort immer mehr in Armut und Vergessenheit. Er überlebte halb im Untergrund und nur durch Zufall die NS-Verfolgung und verstarb dort 1946.

Seine philosophischen und belletristischen Werke stehen für den Aufbruch und die Beteiligung von Juden an den geistigen Strömungen des späten Kaiserreichs und der Weimarer Zeit. Vor allem seine Briefe an Anna und Salomon Samuel vermitteln Einblicke in das Geistesleben der Essener Juden.

Hartmut Geerken wurde in Stuttgart geboren, studierte Orientalistik und Philosophie (Ernst Bloch u.a.) in Tübingen und Istanbul. Er war Mitarbeiter des Goethe-Instituts in Kairo, Kabul und Athen (1966-1983). 1991/92 hatte er den Lehrstuhl für Poetik an der Folkwang-Universität inne. Er ist Autor, Komponist, Musiker, Hörspielautor und Filmemacher und lebt seit 1983 in Herrsching am Ammersee. Er ist Nachlassverwalter und Mitherausgeber der Werke von Salomo Friedlaender / Mynona, die zur Zeit in einer 38bändigen Ausgabe erscheinen.

Der Eintritt ist frei.

Ort: Seminarraum der Alten Synagoge Essen

Foto: Gedenktafel Salomo Friedlaender, Johann-Georg-Straße 20, Berlin-Halensee, Deutschland

Eine Veranstaltung der Alten Synagoge Essen in Kooperation mit der Buchhandlung Proust