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Stadtschreiber Ruhr 2020

Wolfram Eilenberger ist der dritte Stadtschreiber Ruhr und Nachfolger der deutsch-französischen Schriftstellerin Gila Lustiger und des Reporters Lucas Vogelsang, den er in der Position ablöst. Seit 2017 vergibt und finanziert die Essener Brost-Stiftung das Stipendium für die Stadtschreiber-Residenz und wählt die Stipendiaten aus. Der Philosoph, Publizist und Schriftsteller Eilenberger, ehem. Chefredakteur des Philosophie Magazins, veröffentlichte zuletzt 2018 das Buch Zeit der Zauberer. Das große Jahrzehnt der Philosophie 1919 – 1929.

Bildergebnis für Zeit der ZaubererZeit der Zauberer erschien im Frühjahr 2018 bei Klett-Cotta, war mehrere Wochen auf der Spiegel Bestsellerliste, wurde von der Presse gefeiert und erhielt im Herbst vergangenen Jahres den Bayerischen Sachbuchpreis.
Die französische Übersetzung des Buchs: Le Temps de Magiciens, verlegt von Albin Michel, erhielt im November den Prix du meilleur livre étranger. Die Jury würdigte die in diesem Werk erinnerten Konzepte aus dem großen Jahrzehnt der Philosphie nach dem Ersten Weltkrieg. Eilenberger, so die Jury, mache darauf aufmerksam, dass das Denken von Wittgenstein, Heidegger, Cassierer und Benjamin gerade heute erneut eine hohe Bedeutung im gesellschaftlichen Diskurs einnimmt: die Kritik an der Technologie, Fragen der Identität und eine nachhaltige Entwicklung.
Wolfram Eilenberger erweckt die Philosophie der Zwanziger Jahre und mit ihr ein ganzes Jahrzehnt zwischen Lebenslust und Wirtschaftskrise, Nachkrieg und aufkommendem Nationalsozialismus zum Leben. Der kometenhafte Aufstieg Martin Heideggers und dessen Liebe zu Hannah Arendt. Der taumelnde Walter Benjamin, dessen amour fou auf Capri mit einer lettischen Anarchistin ihn selber zum Revolutionär macht. Der Genius und Milliardärssohn Wittgenstein der, während er in Cambridge als Gott der Philosophie verehrt wird, in der oberösterreichischen Provinz vollkommen verarmt Grundschüler unterrichtet. Und schließlich Ernst Cassirer, der Jahre vor seiner Emigration in den bürgerlichen Vierteln Hamburgs am eigenen Leib den aufsteigenden Antisemitismus erfährt. In den Lebenswegen und dem revolutionären Denken dieser vier Ausnahmephilosophen sieht Wolfram Eilenberger den Ursprung unserer heutigen Welt begründet.

Wolfram Eilenberger wird das Buch bei Proust vorstellen – uns aber auch erste Eindrücke aus seinem Stadtschreiber-Alltag im Ruhrgebiet mitteilen. “Ich weiß mehr über Mittelfinnland oder Ontario als über das Ruhrgebiet. Der Blick mit fremden und neugierigen Augen bringt einen zu einem unbefleckten Urteil, darin liegt der Reiz des neuen Amtes.“ Und er fährt in einem Interview fort: “Das Ruhrgebiet ist wie ein schwieriges Buch. Ich bin sicher, dass ich vieles nicht verstehe und dass ich es, im übertragenen Sinne, mehrfach lesen muss, um es zu begreifen“.

Foto © Michael Heck

Eintritt: € 8,- / erm. 6,-

Karten: Karten sind in der Buchhandlung Proust erhältlich.
Vorbestellte und reservierte Karten müssen spätestens 2 Tage vor der Veranstaltung bei Proust abgeholt werden, ansonsten gehen die Karten wieder in den Verkauf.