"Wie kann ein gescheiter Mensch überhaupt an Gott glauben?"
»Religiöser Glaube erscheint vielen Menschen heute als entbehrlich oder gar gefährlich; früheren Zeitaltern wäre diese Auffassung unverständlich gewesen. Charles Taylor, einer der größten Philosophen und Religionsdenker unserer Zeit, fragt nach Ursachen und Folgen des Aufstiegs dieser 'säkularen Option'. Seine meisterliche Erzählung dieser Geschichte ist nicht nur ein großes Bildungserlebnis; sie packt die Leser, ob gläubig oder ungläubig, im Kern ihrer Person.« Hans Joas
Was heißt es, daß wir heute in einem säkularen Zeitalter leben? Was ist geschehen zwischen 1500 – als Gott noch seinen festen Platz im naturwissenschaftlichen Kosmos, im gesellschaftlichen Gefüge und im Alltag der Menschen hatte – und heute, da der Glaube an Gott, jedenfalls in der westlichen Welt, nur noch eine Option unter vielen ist?
Um diesen Wandel zu bestimmen und in seinen Folgen für die gegenwärtige
Gesellschaft auszuloten, muß die große Geschichte der Säkularisierung in der nordatlantischen Welt von der frühen Neuzeit bis in die Gegenwart erzählt werden – ein herkulisches Unterfangen, dem sich der kanadische Philosoph Charles Taylor in seinem mit Spannung erwarteten neuen Buch stellt. Mit einem Fokus auf dem »lateinischen Christentum«, dem vorherrschenden Glauben in Europa, rekonstruiert er in geradezu verschwenderischem Detail die entscheidenden Entwicklungslinien in den Naturwissenschaften, der Philosophie, der Staats- und Rechtstheorie und in den Künsten. Dem berühmten Diktum von der wissenschaftlich-technischen »Entzauberung der Welt« und anderen eingeschliffenen Säkularisierungstheorien setzt er die These entgegen, daß es die Religion selbst war, die das Säkulare hervorgebracht hat, und entfaltet eine komplexe Mentalitätsgeschichte des modernen Subjekts, das heute im Niemandsland zwischen Glauben und Atheismus gefangen ist.
Ein säkulares Zeitalter ist ein wahrhaft monumentales Buch, das die Entwicklung des religiösen Bewußtseins in der Moderne auf beeindruckende Weise nachzeichnet.
Charles Taylor, Professor em. für Philosophie an der McGill University, Montreal, gehört zu den einflußreichsten Vertretern der politischen Philosophie der Gegenwart. Geboren 1931 in Kanada, studierte er an der McGill University in Montreal und an der Universität Oxford, an der er 1961 seinen Ph.D. erwarb. Danach kehrte er nach Montreal zurück, wo er bis zu seiner Emeritierung politische Philosophie lehrte. Charles Taylor nahm Gastprofessuren u.a. an den Universitäten von Oxford, Princeton, Berkeley, an der J.W. Goethe-Universität Frankfurt und der Hebrew University Jerusalem wahr und erhielt zahlreiche akademische Ehrungen und Auszeichnungen.
Das Buch
Charles Taylor
Ein säkulares Zeitalter
Aus dem Englischen von Joachim Schulte
Geb., 1297 Seiten
Suhrkamp Verlag 2010
EUR 68,00
