Der Gaza-Krieg hat die Fragen wieder aufgeworfen:
Wie scharf darf man Israel kritisieren? Messen die Israel-Kritiker mit zweierlei Maß – oder die Israel-Verteidiger? Und wann ist die Grenze zum Antisemitismus überschritten?
Wenn es um den jüdischen Staat geht, kochen sechzig Jahre nach dessen Gründung die Emotionen regelmäßig hoch. Zumal insbesondere in Deutschland bei der Debatte unterschiedliche Auffassungen darüber aufeinanderprallen, welche Lehren aus Auschwitz zu ziehen sind. Aus der Perspektive eines Franzosen, der als jüdischer Deutscher geboren wurde, bringt Alfred Grosser Klarheit in dieses von Polemik, Unterstellungen und Verzerrungen geprägte Feld.
Die Shoah prägt bis zum heutigen Tag das Verhältnis zwischen Deutschland und Israel, zwischen Juden und Nichtjuden. Aber sind wirklich alle politischen und moralischen Folgerungen, die aus ihr gezogen werden, gerechtfertigt?
Alfred Grosser wirft einen kritischen Blick darauf, wie nach 1945 mit der mörderischen Vergangenheit umgegangen wurde. Im Land der Täter, aber auch im Land der Opfer – das sich seitdem im Konflikt mit der arabischen Bevölkerung der Region befindet. Grosser ist davon überzeugt: Wer verhindern will, dass ganze Gruppen Opfer von Verbrechen werden, muss die Einhaltung der Menschenrechte immer und überall einfordern. Sie dürfen für Muslime nicht weniger gelten als für Juden – in Palästina, aber auch in Europa selbst. So ist dieses Buch ein sehr persönliches Plädoyer für eine universalistische Ethik, die den Respekt vor dem Leiden des Anderen in den Mittelpunkt stellt. Eine Grundhaltung, die kaum jemand so konsequent vertreten hat wie Grosser seit mehr als fünfzig Jahren.
Hanno Loewy stellt das Buch: "Hitler Besiegen. Warum Israel sich endlich vom Holocaust lösen muss" von Avraham Burg, Campus-Verlag, vor. 
Dies ist "eines der wichtigsten Bücher des Jahres", erklärt die Frankfurter Rundschau. Avraham Burg lege dar, dass die "Fixierung" Israels auf den Holocaust das Land vernichtet, weil es jede Bedrohung von außen als "Reinkarnation" des nationalsozialistischen Antisemitismus begreift und militärisch bekämpft. Ohne mit den Nachbarstaaten und den Palästinensern Frieden zu schließen ist aber für Burg der Staat Israel dem Untergang geweiht.
Unsere Gäste:
Prof. Dr. Alfred Grosser, geb. 1925 in Frankfurt / Main, lebt in Paris. Der Politologe und Publizist ist in Deutschland seit den fünfziger Jahren durch seine Beiträge und Auftritte in den Medien bekannt.
1975 erhielt er den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, bis heute zahlreiche weitere Ehrungen. Bücher u. a.: «Ermordung der Menschheit. Der Genozid im Gedächtnis der Völker» (1990); «Mein Deutschland» (1993); «Die Früchte ihres Baumes. Ein atheistischer Blick auf die Christen» (2005).
Dr. Hanno Loewy, Literaturwissenschaftler, geboren 1961 in Frankfurt am Main. Von 1990 bis 1995 Projektleiter der Arbeitsstelle Fritz Bauer Institut der Stadt Frankfurt am Main, von 1995 bis Juni 2000 Gründungsdirektor des Fritz Bauer Instituts und seit 1995 Wissenschaftlicher Leiter der Abteilung Erinnerungskultur und Rezeptionsforschung des Fritz Bauer Instituts. Seit 2000 Lehrbeauftragter für Medienwissenschaften an der Universität Konstanz im Bereich Literaturwissenschaft / Medienwissenschaft. Seit 2004 leitet er das Jüdische Museum Hohenems.
Moderation: Claus Leggewie, KWI
Eintritt: € 5,-
Wir laden herzlich ein und bitten um Kartenreservierung!
Kartenvorverkauf bei uns sowie dem
TicketCenter der Theater und Philharmonie Essen (II. Hagen 2, 45127 Essen)
Bei Proust reservierte Karten bitte spätestens 3 Tage vor der Veranstaltung abholen; nichtabgeholte Karten gehen danach wieder in den Verkauf.
Foto: Freie Universität Berlin
>>>>In der Reihe Lesart Spezial
- einer gemeinsamen Veranstaltung von Deutschlandradio Kultur, des Kulturwissenschaftlichen Instituts in Essen, der Buchhandlung Proust und des Schauspiel Essen - diskutieren die Podiumsgäste aktuelle Sachbuch-Neuerscheinungen. Medienpartner ist die Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ).
Lesart Spezial wird vom Deutschlandradio Kultur 6 x im Jahr in Essen aufgezeichnet und am jeweils folgenden Sonntag im Rundfunk gesendet.
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