Am 11. Juni feierte Klaus Wagenbach seinen 80. Geburtstag - heute stossen wir mit der dienstältesten Witwe Kafkas, dem Mitbegründer der Toscana-Fraktion und Rote-Socken-Träger auf sein Wohl an!
Klaus Wagenbach ist einer der letzten aus einer Generation von unabhängigen, eigenwilligen und leidenschaftlichen Verlegern; ein linker, aber undogmatischer Kopf, der nicht vor den Konsequenzen politischen Handelns zurückschreckt; und ein früher und bis heute unerschütterlicher Liebhaber Italiens.
Außerdem: ein heiterer Geschichtenerzähler, ein eifriger Vorwortschreiber, ein freudig erwarteter Festredner, aber auch einer, der gern widerspricht, wenn die öffentliche Meinung jemanden moralisch und politisch gar zu korrekt schlachten will.
Der zu seinem Geburtstag erschienene Band "Die Freiheit des Verlegers" sammelt Texte Klaus Wagenbachs über Italien (einschließlich Kunstgeschichte), Politik, das Leben und die Zukunft der Bücher und über einzelne Autoren. Ein Großteil der Texte ist bisher nicht veröffentlicht, wichtige Zeitdokumente wie die Grabrede für Ulrike Meinhof wurden jedoch ebenfalls aufgenommen.
Und schließlich erst jüngst entstandene biographische Geschichten: Vom gegen die Nazis rebellierenden Großvater, der reformbewegten Mutter, dem Vater, der nur Latein, Griechisch und Hebräisch konnte; darüber, wer und wie nach dem Krieg die Demokratie aufbaute, warum Kollektive träumen und Frauen besser kommunizieren können.
Klaus Wagenbach, geboren 1930 in Berlin und dort aufgewachsen. Ab 1949 absolvierte er eine Lehre in den Verlagen Suhrkamp und S. Fischer; neben seinem Studium der Germanistik, Kunstgeschichte und Archäologie in München und Frankfurt am Main war er Hersteller im S. Fischer Verlag. Nach der Promotion wurde Klaus Wagenbach 1957 Lektor im Modernen Buch-Club Darmstadt, ab Ende 1959 Lektor für deutsche Literatur im S. Fischer Verlag. Im Herbst 1964 gründete er in Berlin den bis heute unabhängigen Verlag Klaus Wagenbach. Die Leitung des Verlags trat er Anfang 2002 an Susanne Schüssler ab. Klaus Wagenbach lebt in Berlin.
Preise und Auszeichnungen
2006 Ehrenpreis des Österreichischen Buchhandels für Toleranz in Denken und Handeln**2006 Ehrendoktorwürde der Universität Urbino, Italien**2006 Ardinghello-Preis, Florenz**2006 Rahel Varnhagen von Ense-Medaille**2002 Kythera-Preis**2002 Ritter der französischen Ehrenlegion**2001 Großes Bundesverdienstkreuz**2000 Ehrenmitglied des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels (Landesverband Berlin Brandenburg)**1999 Hugo-Ball-Literaturpreis**1995 Astrolabio d'oro, Pisa**1994 Honorarprofessor für Neuere deutsche Literatur an der Freien Universität Berlin**1990 Bundesverdienstkreuz**1990 Premio nazionale per la traduzione**1987 Cavaliere del merito**1982 Premio Montecchio**1979 Kritikerpreis
Eintritt: € 8,00 / erm. € 6,00
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Foto: Tobias Bohm /Börsenblatt.net